Physiotherapie in Deutschland - noch Neuland?

Die Physiotherapie setzt physikalische Mittel wie Massagen, Wärme und Kälte, Hydrotherapie oder Elektrotherapie zur Behebung oder Linderung von physiologischen Störungen ein. Sie ergänzt oft medikamentöse oder operative Behandlungen und verfügt bereits über eine mehr als 100-jährige Tradition. Eines der Haupteinsatzgebiete sind, neben der kurativen Behandlung, Reha-Maßnahmen, mit denen die Patienten auf eine Wiedereingliederung in die Arbeitswelt vorbereitet werden sollen.

Der Begriff Physiotherapie ist in Deutschland noch nicht alt

Trotz langer Tradition ist der Begriff jedoch noch relativ neu in Deutschland. Bis 1994 war die Behandlungsmethode unter dem Begriff der Krankengymnastik bekannt. Um sich internationalen Standards anzupassen, wurde der Begriff Krankengymnastik durch die international gebräuchliche Bezeichnung Physiotherapie abgelöst.

Die Ausbildung hat sich ebenfalls stark verändert

Aber nicht nur der Begriff hat sich verändert, sondern auch die Ausbildung wurde neu geregelt. Zum einen besteht die Möglichkeit, eine dreijährige Ausbildung an einer staatlich anerkannten Schule zu absolvieren, bei der die Auszubildenden 2900 Stunden an theoretischem und praktischem Unterricht und 1600 Stunden praktische Ausbildung am Patienten absolvieren müssen. Darüber hinaus wurde aber auch vor ca. 10 Jahren ein neuer Studiengang der Physiotherapie geschaffen. Zunächst konnte man nur ausbildungsbegleitend, das heißt im dualen System oder im Anschluss an die staatliche anerkannte Ausbildung studieren. Im Herbst 2009 wurde jedoch beschlossen, primärqualifizierende Studiengänge einzurichten, d.h. Studiengänge, die nicht berufsbegleitend sind oder für die nicht zunächst eine staatliche Ausbildung absolviert werden musste.

Es gibt nun spezielle Studiengänge in dieser Richtung

Seit dem WS 2010 / 2011 bietet z.B. die SRH Hochschule Heidelberg nun einen regulären Bachelor Studiengang in diesem Bereich an. Zu beobachten ist also eine zunehmende Akademisierung dieser Ausbildung, was den hohen Anforderungen, die heute an Physiotherapeuten gestellt werden, Rechnung trägt. So wird z.B. gewährleistet, dass Ergebnisse aus der Physiotherapieforschung in die Praxis integriert werden können und die Befähigung zu wissenschaftlichem Handeln und Denken gefördert, was ein entscheidender Schritt zur Professionalisierung dieses Berufsstandes ist. Gleichzeitig passt sich die Ausbildung in Deutschland damit internationalen Standards an, denn insbesondere in den USA und Großbritannien wird diese Ausbildung schon seit langem in Bachelor und Masterstudiengängen an Hochschulen durchgeführt.